Fair Denim Guide

Das beliebteste Kleidungsstück der Welt? Ist eindeutig die Jeans und jeder von uns hat durchschnittlich ein halbes Dutzend im Schrank. Was die wenigsten wissen: Öko- und Sozialbilanz von konventionellen Blue Jeans sind miserabel. Allein 11.000 Liter Wasser werden durchschnittlich für Baumwollanbau und Färbung einer einzigen Hose verbraucht. Dass es auch anderes geht, zeigen ein paar außergewöhnliche, nachhaltig denkende Denim-Produzenten, die wir hier alphabetisch für Euch aufgelistet haben.

Vorab ein paar simple Einkauftipps

  1. Ist die Jeans Eurer Wahl mit folgenden Gütesiegeln versehen, könnt Ihr sicher sein, dass Ihr Qualität in der Hand habt: GOTS, FAIRTRADE Certified Cotton oder Mitglied der Sozialstandard-Initiative Fair Wear Foundation.
  2. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr. Überlegt also, ob es wirklich die x-te Jeans sein muss, nur weil mal wieder was Neues her muss. Nur ein wirklich wählerischer Konsument ist ein guter Konsument.
  3. Loch im Knie, abgewetzter Saum? Manchmal lohnt es sich, selber Hand anzulegen: Risse können leicht geflickt werden, entweder mit aufbügelbaren Patches oder alten Jeansresten. Und: Repair Cafés, die Euch helfen können, gibt es mittlerweile in fast jeder größeren Stadt.
  4. Schon gewusst? Tiefdunkel gefärbte Denims sind aus ökologischer Sicht unbedenklicher als Modelle im Used Look, die mit viel chemischem Aufwand auf “alt” getrimmt wurden.

Blaumann

Garne, Knöpfe, Lederetiketten und traditionelle Herstellung – die Jeanshosen von Blaumann sind komplett “Made in Germany”. Seit 2014 gibt es die blaue Liebhaberware online und in ausgewählten Stores, die Idee dazu hatten vier Experten aus den Bereichen Textil und Medien bereits ein Jahr zuvor. Grund: weit über 100 Millionen Jeans werden pro Jahr nach Deutschland importiert, die oft unter zweifelhaften Bedingungen produziert wurden. Blaumann aus dem nordschwäbischen Künzelsau bietet dagegen absolute Transparenz und Nachhaltigkeit.

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Foto: Blaumann

Bleed

“100% Eco, 100% Fair, 150% Yeah!” Der Leitspruch der Bleed Clothing GmbH hält, was er verspricht. Neben Shirts, Strick und Accessoires haben die Oberfranken auch Denims im Programm, die alle wichtigen Aspekte rund um das Thema Nachhaltigkeit abdecken: umweltschonende und sozialverträgliche Produktion in der gesamten Herstellungskette. Also keine Chemikalien beim Baumwollanbau und Zusammenarbeit nur mit GOTS-zertifizier-ten Unternehmen. Die vegane Attitude kommt bei den Styles des Street- und Sportswear-Labels dabei nie zu kurz; statt Leder- gibt es Kork-Patches.

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Foto: Bleed Clothing

Blue Jeans Go Green

Wenn gar nichts mehr hilft und Ihr nicht wisst, wohin mit Euren völlig zerfetzten Jeans, dann hat das US-amerikanische Unternehmen Blue Jeans Go Green die ultimative Endlösung parat. Denn aus alten Jeans wird hier ökologisch einwandfreies Dämmmaterial recycelt, das sogar auch optisch ansehnlich ist und nicht hinter Holzvertäfelungen verschwinden muss. Dazu wird das Material zunächst in seine Bestandteile zerlegt und dann zu zentimeterdicken Matten upcycelt. Grammy-Gewinnerin Sheryl Crow ist übrigens selbst ein großer Blue Jeans Go Green-Fan und engagiert sich neben anderen Prominenten für diese tolle Geschäftsidee.

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Foto: Blue Jeans Go Green

Dawn Denim

Köln ist cool – und kann natürlich auch Denim. Mit Gabriel Fellsches als Marketingexperten, Marian van Rappert, der sich seine Fashion-Sporen bei Esprit und Marc O’Polo verdient hat, sowie der Modedesignerin Ines Rust hat das Trio kurzerhand Dawn Denim gegründet. Nachhaltigkeit und Transparenz in der Herstellung sind neben Authentizität und dezenter Fashion Attitude ein unbedingtes Muss. Eine eigene Denim-Produktionsstätte in Vietam garantiert faire Bezahlung und Bedingungen. Mädchen aus einem nahen Waisenhaus erhalten hier einen guten Einstieg ins Arbeitsleben.

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Foto: Dawn Denim

Feuervogl

Die junge deutsche Eco Jeans Brand mit Sitz im fränkischen Großostheim setzt auf absolute Transparenz und ausschließlich GOTS-zertifizierte Materialien sowie Kooperationspartner. Von der Baumwolle, die pestizidfrei in der Türkei wächst, über zertifizierte Hosenmanufakturen in Polen, die sich um die finale Verarbeitung kümmern, bis hin zu Wäschereien und Färbereien, die auf dem neuesten Stand der wasser- und energiesparenden Technik arbeiten – Feuervogl hat die gesamte Herstellungskette gut durchdacht und setzt beim Finishing statt auf Chemie lieber auf Ozon Treatments und moderne Lasertechnologie.

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Foto: Feuervogl

Good Society

‘Nomen est Omen’ haben sich die Hamburger von Good Society gedacht – und daran halten sie sich auch. Die Denims für Sie und Ihn werden ausschließlich in Italien gefertigt, was die Transportwege wunderbar minimiert. Die verwendete Baumwolle ist GOTS-zertifiziert und absolute Transparenz genießt oberste Priorität. Dazu gehört auch ein Support-Projekt, dem sich Good Society je nach Aktualität widmet. Zurzeit werden ‘Treedom’ und die Stiftung Gran Chao in Argentinien unterstützt, ein lokales Baumpflanzprogramm, das für mehr Gleichgewicht im Ökosystem sorgen soll.

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Foto: Good Society

Kings of Indigo

Die Kings of Indigo, kurz K.O.I., sitzen in Amsterdam und haben sich im Jahr 2010 auf den hart umkämpften Denimmarkt gewagt. Der Mix aus Nachhaltigkeit, Fair Trade und hoher Qualität kommt bei den Verbrauchern gut an, denn nebenbei gehört auch Langlebigkeit zum erklärten Ziel der drei K.O.I.-Chefs. Um unnötigen Müll zu vermeiden, setzen sie auf die drei R’s: Recycling, Reparatur und Re-Use, also Wiederverwertung. Als Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF) sind die Kings of Indigo erklärte Feinde von Billigware aus Fernost und fordern ihre Kunden auf smarte Art auf, nicht Teil der Wegwerfgesellschaft zu sein. So kann man passend zu jeder Jeans auch gleich das passende Reparatur-Kit erwerben.

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Foto: Kings of Indigo

Kuyichi

Das niederländische Unternehmen Kuyichi gehört zu den Pionieren in Sachen fair Denim. Sämtliche Jeans sind aus garantiert kontrolliert biologischer Baumwolle hergestellt – und das schon seit dem Jahr 2001, als Fair Trade Fashion noch gern in die peinliche Öko-Ecke gedrängt wurde. Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung gehören bei Kuyichi zum Programm und so wird die Biobaumwolle von Bauern in Peru, der Türkei und Indien angebaut, die auf diese Weise ihre Existenz sichern können. Offen und transparent geht man auch mit dem Rest der Produktionskette um, bis hin zu den Transportwegen. Nach einer vorübergehend angemeldeten Insolvenz Ende 2015, ist das Label inzwischen wieder im Aufwind und konzentriert sich auf auf seine Kernkompetenz: Denim!

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Foto: Kuyichi

Maas-Natur

Ökologische, soziale Verantwortung, Gesundheit und Qualität. Auf diesen vier Säulen baut die Firmenphilosophie von Maas-Natur auf, einem reinen Familienbetrieb mit Sitz in Gütersloh. Die Ostwestfalen gehören zu den Gründungsmitgliedern des IVN (Internationaler Verband Naturtextilien) und arbeiten mit Vorliebe ganzheitlich. Im Klartext: Verwendet werden fast ausschließlich zertifizierte Bio-Materialien und gefertigt wird in Deutschland oder im europäischen Ausland. Jeans gibt’s für Damen, Herren und Kinder – allesamt bequem und äußerst strapazierfähig; Knöpfe und Zipper sind nickelfrei, also allergiearm.

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Foto: Maas-Natur

Mud Jeans

Die Holländer von Mud Jeans träumen von einer Welt ohne Abfall und haben sich dazu ein simples aber effektives Geschäftsmodell überlegt: Lease a Jeans! Eure alte Jeans schickt Ihr also zu Mud Jeans, die dann vor Ort upcycelt oder in Vintage-Unikate verwandelt wird. Falls Euer Modell schon aus allen Nähten fällt, wird zumindest das Material recycelt und für neue Jeans, Pullover oder T-Shirts verwendet. Auf diese Weise wird ein perfekter Warenkreislauf garantiert. Ein nettes Service-Goody bietet Mud Jeans außerdem unter dem Stichwort Home Try: Ihr bezahlt eine Jeans, bekommt aber drei zugeschickt, damit Ihr daheim in aller Ruhe anprobieren könnt. Die beiden unpassenden Modelle schickt Ihr versandkostenfrei wieder zurück.

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Foto: Mud Jeans

Nudie Jeans

Die Schweden von Nudie Jeans leben und arbeiten ganz nach der Devise The naked Truth about Denim. Sämtliche Jeans sind aus GOTS-zertifizierter Baumwolle gefertigt, und natürlich umweltfreundlich und so fair wie möglich produziert. Das gilt für jeden Schritt in der langen Produktionskette bis hin zum fertigen Teil. Als Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF) engagiert sich das Unternehmen außerdem aktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben und berichtet transparent per online gestelltem Produktions-Guide über die Ergebnisse. Das gesundheitsschädliche Sandstrahlverfahren gibt’s bei Nudie Jeans nicht; stattdessen wird jede Hose auch als ungewaschene, unbehandelte und damit umweltfreundlichste dry Variante angeboten.

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Foto: Nudie Jeans

Outland Denim

Der Australier James Bartle hatte vor einigen Jahren ein Schlüsselerlebnis, das ihn nicht mehr losließ: Er war geschäftlich in Kambodscha unterwegs und beobachtete vor Ort unzählige junge Mädchen, die als Zwangsprostituierte auf die Straße geschickt wurden. Als er dann eine junge Frau kennenlernte, die aus diesem Kreislauf ausgebrochen war, hatte James sein Lebensprojekt gefunden. Er gründete das Label Outland Denim mit nachhaltiger Produktionskette und lässt seitdem die lässigen Jeans für Frauen und Männer in kleinen kambodschanischen Werkstätten fertigen. Hier sitzen nun junge Frauen gut gelaunt an den Nähmaschinen und sind endlich in der Lage, auf sinnvolle Art und Weise ihr Geld zu verdienen.

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Foto: Outland Denim

Sey Organic Jeans

Die deutsche Premiummarke Sey Organic Jeans spricht vor allem weibliche Jeansfans an, die auf der Suche nach der perfekten Passform sind aber gleichzeitig fair und nachhaltig shoppen wollen. Das Ergebnis ist perfekter Tragekomfort dank ausgetüftelter Schnittformen und selbstverständlich die Einhaltung sämtlicher ökologischer und sozialer Standards. Verwendet werden ausschließlich vegane Biomaterialien und statt fieser Chemie werden zum Bleichen ungefährliche Mittel auf Sauerstoffbasis eingesetzt. Auch an kurze Transportwege hat die Gründerin Selma Yasdut gedacht und produziert ausschließlich in Europa. Das erklärte Ziel ist ein perfekter Mix aus Stil und Ethik.

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Foto: Sey Clothing

Wunderwerk

Modisches Design, komfortable Passform, nachhaltige Stoffe in ausgefallenen Waschungen und tye-dye-Färbungen. Das Düsseldorfer Denimlabel Wunderwerk, das außerdem Shirts, Pullover und Jacken für Frauen und Männer im Programm hat, wurde im Jahr 2012 gegründet. Der „grüne“ Background ist für die beiden Gründer Heiko Wunder und Tim Brückmann selbstverständlich; wahrgenommen werden will Wunderwerk aber vor allem als „Lovemark“. Denn echte Liebhaber packt man natürlich über Emotionen!

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Foto: Wunderwerk

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