S. Oliver macht auf nachhaltig

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Liegt Rottendorf eigentlich hinterm Mond gleich rechts? Vergangene Woche lancierte das dort ansässige Modeunternehmen S.Oliver eine echt total neue und supi innovative Idee in der Presse: Ab August (also jetzt!) will man nämlich eine „Made in Germany“-Kollektion auf den Markt werfen. Die besteht zwar nur aus einem Longsleeve, einem Pulli in je zwei Farben sowie einer Jeans; dafür werde aber alles – jetzt Trommelwirbel – im ostdeutschen Apolda vernäht. Sogar Knöpfe und Etiketten sollen aus deutscher Produktion stammen, vermelden die Rottendorfer stolz. Nehmt das, Ihr blöden Lohas! Hättet Ihr wohl nicht gedacht, dass auch S.Oliver so voll faire und nachhaltige Mode herstellt!
Äh, „nachhaltig“? Nur weil „Made in Germany“ draufsteht, muss der Kram nicht gleich „sustainable“ sein oder? Matthias Jost, Global Product Director bei S.Oliver Casual Men, findet das aber doch. Die Begründung für die pfiffige Marketing-Strategie ist nämlich angeblich das „stark gewachsene Bedürfnis der Verbraucher an nachhaltig produzierter Ware“.
Echt ey? Und nach all’ den Skandalen in der Textilindustrie und dem Hype um die vielen, neuen, jungen Labels, die gerade die Fashion-Welt aus den Angeln heben, weil sie das Thema Nachhaltigkeit mit einem kreativen Feuerwerk bearbeiten – und das meist ohne fetten finanziellen Background – fällt den Unterfranken in Rottendorf nichts Besseres ein?
Ob die vier „Made in Germany“-Klamotten nun einschlagen wie eine Bombe, wie man bei S.Oliver wohl erwartet, oder ob es bei einem kleinen Lob in der deutschen Fachpresse bleibt – wir werden sehen. Vielleicht geht das Ganze aber auch nach hinten los, denn auf diese Weise wird manch’ S.Oliver-Fan wohl erst recht mit der Tatsache konfrontiert, dass S.Oliver ansonsten nur in Asien oder der Türkei fertigen lässt. Und dabei wird’s wohl auch bleiben…

 

Text: Gerlind Hector